wenn #1

Wenn Sie das Geräusch, das entsteht wenn Menschen ihren Mund langsam öffnen und wieder schließen, dieses leise Schmatzen.

Wenn Sie dieses Geräusch morgens in der U-Bahn kurz vor acht, in einer U-Bahn, die noch nicht einmal halb voll ist.

Wenn Sie dieses Geräusch hören können, dann stimmt etwas nicht mit dem Tag. Dann verlangt der Tag nach mehr Aufmerksamkeit, drängt sich von Begin an auf, mit all seinen Tricks.

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Der Schmerz in meinem Inneren

Der Schmerz in meinem Innern

Mia

Ich spüre den Schlag in meine Magengrube. Meine Ohren rauschen. Bitte hört auf! Diese Worte kommen leise aus meinem Mund. Tränen laufen über meine Wangen. Wieder ein Schlag, aber diesmal ins Gesicht. „ Fette Kuh!“ schreit mich der eine an. Tom, der Anführer dieser Gang, lächelt mich zornig an. „ Das hast du davon, dass du geboren bist! Hässliche Schlampe!“. Alleine und verloren lassen sie mich in den Kellerräumen der Schule liegen. Meine Glieder sind taub. Ich weiß nicht wie lange ich da lag. „Was machst du denn hier!? Zutritt verboten!“ fragt der Hausmeister mich. Stillschweigend renn ich raus. Ich sehe auf meine Uhr. 18 Uhr. Vier Stunden lang saß ich auf dem kalten Boden. Die Sonne scheint mir in mein bleiches Gesicht. Mein Herzschlag verdoppelt sich. Zwei Jahre ertrage ich das schon. Zwei lange Jahre voll Wut, Verzweiflung, Schmerz, Hass und Einsamkeit. Ich renn die Straßen entlang. Ich suche meinen Lieblingsort auf. Die Bibliothek! Ich gehe die Reihen lang. Der Geruch von Büchern beruhigt mich. Langsam komme ich wieder runter. Dies ist der Ort an dem ich alles vergesse. Tom und seine Gang, der Schmerz, meine Hoffnungen und meine Narbe im Gesicht. Die Narbe ist von Phil, meinem Stiefvater. Im Januar letzten Jahres kam er wieder sturzbetrunken nach Hause. Phil war wütend, da er seinen Job verloren hatte. Er zerschlug die Lampen, Spiegel und Fliesen. Ich stand ihm im Weg. Er schubste mich in die Scherben. Seitdem zieht sich eine lange Narbe durch mein Gesicht. Dieser Tag brannte sich in mein Hirn und das schlimmste war meine Mutter glaubte mir nicht. Sie war vor Liebe blind. Ich setzte mich mit einem Buch hin. Da entdeckte ich Jan! Der beliebteste Schüler überhaupt. Ich nahm mir ein Zettel und schrieb ein Gedicht über ihn:

Ich sehe in Augen,                                                                                                                              schönes Braun,                                                                                                                             Sie funkeln!                                                                                                                            So weiches braunes Haar, zum verwuscheln.                                                                                                  So perfekte Lippen, die man küssen möchte.                                                                                                                            So einen schönen Körper, den man berühren möchte.

Ich war ihm verfallen. Ich schaute ihm zu wie er sich die Haare  zurückstrich. Wie sein Brustkorb sich hebt und senkt. Er lächelt mir zu. Nach einer Weile ging er. Ich wollte nicht nach Hause, aber ich musste. Mit meiner Mutter rede ich nicht viel. Sie ist eh nie da. Auf dem Weg nach Hause hole ich noch schnell was für meinen Bruder zu essen. Später bringe ich ihn ins Bett. Ein eigenes Zimmer besitze ich nicht. Ich schlafe auf dem Sofa. Ich schließe meine Augen und spüre den Schmerz. Morgen werde ich bestimmt blaue Flecken haben.

Frau Peterson, unsere Schauspiellehrerin, teilt uns in Zweiergruppen ein. Hoffentlich bekomme ich Jan. Und es wurde Jan. Wir beide müssen die Kussszene von Romeo und Julia spielen. Mein Herz machte einen Hüpfer, doch dann denke ich an meine Narbe im Gesicht. Welcher Junge liebt schon eine Entstellte!? Wir verabredeten uns für den Nachmittag in der Bibliothek zum Proben. In der Pause versteckte ich mich in der Toilette und hoffte dass mir niemand folgte. Doch zu früh gefreut! Zicke Vanessa, Kira und Wiebke folgten mir. „ Na, du Opfer!“ „ Könnt ihr mich nicht mal in Ruhe lassen!“ flüstere ich. Mich hatte keiner gehört, denn die Klospülung ging los. Kira gab mir einen Kinnhaken. Wiebke trat auf mich ein. Der Gong ertönte. Sie zogen ab. Ich schaute in den Spiegel. Blutergösse auf meiner Haut. Warum machen die Lehrer nie was!? Untätig schauen sie immer zu. Warum bin ich nur vom Gymnasium abgegangen?! Womit hab ich das verdient!?  Am Nachmittag fuhr ich mit meinem alten klapprigen Fahrrad zur Bibliothek.  Jan war auch schon da. Er saß tiefversunken in Romeo und Julia da. „Hi“ sagte ich. „Hi, können wir anfangen!?“fragte er. „Ja“. Er schaute mir tief in die Augen und plötzlich küsste er mich. Erst war ich geschockt, doch dann fand ich es einfach nur schön. Seine Augen strahlten. So schönes schokoladenbraun. Jetzt wusste ich, dass er das gleiche empfand wie ich. Händchen halten saßen wir da. Gegen 16 Uhr gingen wir im Park spazieren.  Ein paar Stunden und Küsschen später gingen wir getrennte Wege. Unsere Beziehung war fürs erste geheim. Abends schrieb ich noch ein Gedicht über den Tag im Park:

Zartes Grün und goldener Sonnenschein.                                                          Eisblaues Wasser und starker Wind.                                                                                                                            Die Wellen schaukeln.                                                                                                                        Sanftes Braun schaut mich an.                                                                                                                                    Es zieht mich in den Bann.                                                                                                                                Ein Lächeln umspielt meine Lippen.                                                                           Mein Haar verwuschelt durch den Wind.                                                                       Er streicht es zurück.                                                                                                                             Ein Kuss auf den Mund macht mich glücklich.

Mit tollen Erinnerungen von diesem Tag schlief ich ein.

Am Morgen in der Schule wurde ich von einem Schubser begrüßt. Meine Knie waren von dem Aufprall aufgeschlagen. Blut lief herab. Wie lange halte ich das noch aus!? Sollte ich mich Jan anvertrauen!? Heute war einer der schrecklichsten Tage, die ich erlebt hab. Tom schnitt mir meine langen schönen blonden Haare ab.  Sie waren das einzige Schöne an mir. Jetzt sitze ich in der Küche und halte ein Messer in meiner zittrigen Hand. Soll ich oder soll ich nicht!?  Ich stach zu, ins Handgelenk, genau in die Pulsader. Mein Herz schlägt schneller. Meine Schreie werden lauter. Wann hört dieser verdammte Schmerz auf!? Blut fließt an meinen Armen herab.  Mein Körper zuckt und ruckt. Langsam wird er taub. Der Schmerz wird schlimmer. Ich werde immer schwächer. Kaum mehr Kraft. Mein Tod kommt näher. Ich spüre die eiskalte Berührung des Sensenmannes. Der Tod holt mich. Lange hat er gewartet, dass ich aufgebe. War das schon immer geplant? Mein Herz schlägt kaum noch. Wild zuckend liege ich auf dem Boden. Wenige Sekunde noch. Zu großer Blutverlust. Herzstillstand. TOT.

Meine Mutter fand meine Leiche. Sie machte sich schwere Vorwürfe. Mein kleiner Bruder weinte bis keine Tränen mehr kamen. Und was war mit Jan!? Wie geht sein Leben ohne mich weiter!? Was ist mit Tom und seiner Gang!? Werden sie sich schuldig fühlen? Werden sie froh über meinen Tod sein!?

Der Schmerz in meinem Innern brachte mich um!

Mit in die Tiefe gezogen

Jan- nach Mias Tod

Es war schwarz vor meinen Augen. Alles verschwommen. Mir wurde bewusst, dass sie tot ist. Alles nur meine Schuld. Hätte ich doch nur etwas unternommen! Ihr geholfen! Warum stand ich nicht zu ihr!? Warum hat sie mir nichts gesagt!? Warme Tränen laufen über meine Wangen. Ich hatte sie geliebt, oder besser gesagt Ich liebe sie noch immer. Hätte ich ihren Tod verhindern können!? Gestern lebte sie noch. Gestern lag sie noch in meinen Armen. Und immer wieder stellt sich mir die Frage Warum? Warum sie ?Ich hörte ihr Lachen in meinen Ohren. Ich spürte ihre Küsse. Mein Herz wollte ihren Tod nicht wahr haben. Ich auch nicht.  Ich rief mir ihre blonden kurzen Haare ins Gedächtnis. Dieses Mädchen hat mir komplett den Kopf verdreht. Ihre Augen haben mich magisch in den Bann gezogen. Mich störte nicht mal die Narbe in ihrem Gesicht. Ich sehe das Blut vor meinen Augen und ihrer starren Körper. Nein, das darf nicht wahr sein. Ich starre meine Wand an. Ich will niemanden sehen und will mit niemanden reden. Es ist als fehlt meinem Herzen ein Stück und dies ist bei Mia. Sie wird bestimmt sagen los steh auf Jan und sei stark. Stark für mich. Ich schalte meine Playstation ein. Ich brauche Ablenkung, doch es half nicht. Die Leere zieht in mein Körper. Gestern war ich noch glücklich. Heute nicht mehr. Ich hatte noch so viel mit ihr vor. Meine Mutter klopfte an. „ Jan,du kannst dich nicht ewig verkriechen und ausserdem ist Fabi da!“ „Ich will niemanden sehen, auch Fabi nicht.“ Sage ich . „Komm schon Jan lass mich rein“ bettelt Fabi. Langsam öffne ich die Tür. Fabi pflanzt sich sofort aufs Sofa. „Was ist los!?“ fragt er. „Ah nichts“ antworte ich.  „Lüg mich nicht an!“ erwidert er. Ich bleibe still. „Mann , ich seh doch wie fertig du bist. Liegt es an Mia!?“ löchert er weiter. „Du liebst sie!?“ erfragt er weiter. „ Ich habe keine Lust darüber  zu reden, fabi!“ Zum Glück hielt er diesmal seinen Mund. Ich lasse meinen Kopf in meine Hände sinken. Ich muss bestimmt schlimm aussehen. Ich spüre wie Fabi seine Hand auf meine Schultern legt. Es beruhigt mich.  Ihr Tod hat mich fertig gemacht. „ Fabi , ich liebe Mia, ihre Art, Ihre Augen die einen alles zeigen  und ihr Tod macht mich fertig.“ Flüstere ich und breche damit das Schweigen. „Jan, du musst weiter leben. Sie hat sich selbst entschieden zu gehen. Kommst du morgen wieder zur Schule?!“ erklärt er mir. „ Ich muss, sonst wird ich noch verrückt. Ich komme ohne sie nicht klar!“ erzähle ich ihm. „ Bitte Jan, ich will dich nicht verlieren. Du bist mein bester Freund! Wird wach sie ist tot!“ fleht er mich an. „Du hast gut reden. Deine Leni lebt ja. Du musst dir keine Vorwürfe machen, ob du ihren Tod verhindern hättest können!“ murmele ich.  Kopfschüttelnd geht er raus. Nein, ich will nicht auch noch ihn verlieren! „ Fabi“ jammere ich, „Ich brauch dich!“. „ Du weißt, dass ich immer da sein werde, du musst dir keine Schuld geben und ich muss los. Leni wartet“ beichtet er. Ich lass ihn gehen. Wie soll mein Leben jetzt weiter gehen!?  Sie ist/war mein Engel! „Ich wache über dich!“ haucht eine Stimme zu mir. „ Mia?“ frage ich geschockt. „Ja, in deinem Herzen wird ich immer bleiben und beschützen wird ich dich!“ wisperte sie.  Ich wusste nicht, was ich sagen soll. Ihre Stimme in meinem Kopf. Freude stieg in mir hoch.  Hab ich sie doch nicht verloren!? Lebt sie noch!? „ Nein, ich bin tot, Jan und das weißt du ganz genau, aber unsere Liebe verbindet unsere Seelen. So werde ich immer ein Teil von dir sein.“ Erläuterte sie. Es fühlte sich an als würde sich ein Abgrund auftun und mich hinein ziehen. Morgens wache ich auf. Total fertig! Ich bin wie ein Wrack!  Ich gehe ausdruckslos an meinen Eltern  vorbei und esse was. Wie eine leere Hülle schleife ich mich zur Schule. Fabi freut sich sichtlich mich zu sehen. Er begrüßt mich und schleift mich zu Leni rüber. Mich stört es nicht, denn es ist mir egal. Ohne Mia hat mein Leben kein Sinn! Ich lächle nicht. Warum sollte ich auch !? „Jan, lass los, du musst mich loslassen, glaub mir.“ Höre ich ihre Stimme. Ich kann Nicht. Meine Knie knicken ein. Ich schlag auf den Boden auf. Ich höre Leuten meinen Namen schreien. Doch ich sehe alles nur schwarz. Ich rieche das Blut, das aus meinem Kopf sickert. Ich bin die Treppe rückwärts runtergeflogen. Ich spüre meine Beine nicht. Panik stieg in mir hoch.  Bin ich tot oder nicht!? Ich spüre Hände auf meinem Brustkorb, die heftig zu drücken und fremden Atem in meiner Lunge. Nein, lasst mich sterben! Ich will nicht mehr und könne tue ich auch nicht mehr. Im Himmel kann ich wieder bei Mia sein! Meinem Traumgirl! Mein Herz in der Brust kämpft, doch mein Verstand hat schon aufgegeben. Fabi’s Stimme zerreißt mich. Ich weiß, dass ich nicht mehr leben kann.  Endlich kapiert es auch mein Herz. Es bleibt stehen. Ich höre in meinem Kopf nur er ist tot.  Bin ich befreit von den Qualen!? Ich merke wie sich Arme um mich schlingen und es sind Mia’s. Sie lächelt mich an. Ich bin angekommen.

Tote werden nicht mehr lebendig!

Mütter/Eltern der beiden

Arm in Arm stehen wir am Grab unserer Kinder. Ihr Kind, mein Kind! Jan und Mia. Beide gingen von uns. Sie waren zum Schluss nur noch leere Hüllen in denen der Schmerz tief saß. Bei ihm Liebesschmerz, bei ihr seelischer Schmerz. Sie waren zwei Herzen und Seelen, die zueinander finden leider zu spät. Tränen laufen an mir herrunter. Sie 15, Er 16. Zwei junge Menschen. So verschieden , aber jetzt tot!  Warum habe ich meiner Tochter keine Liebe geschenkt und ihr  nicht zugehört!? Warum gab das Herz meines Sohnes auf!? Er wollte nicht mehr kämpfen. Er wollte bei ihr sein im Himmel! Warum hat sie nie etwas erzählt!? Warum habe ich nie etwas mitbekommen, wie schlecht es ihr ging!?  „ Mia, falls du mich hörst. Ich gebe Acht auf deinen Bruder. Ich werde mich von deinem Stiefvater trennen.“ Hauche ich in den Himmel. Neben mir schluchzt die Mutter von Jan und ihr Mann. Ich wende mich vom Grab ab. Hier zu stehen bringt mir meine Tochter auch nicht wieder. Ich verschwinde.

Unser Sohn, unser einzigstes Kind lebt nicht mehr als wir vom Friedhof gehen , kommen uns Fabi und Leni entgegen. Tränen haben freien Lauf. Doch ich muss vergessen, denn er ist TOT und wird nie wieder vor uns stehen. Wir versuchen zu vergessen, doch unsere Kinder leben weiter in unseren Herzen.

Doch unser Leben ging weiter.

Für den einen das Ende, für den anderen ein Neuanfang

Fabi

Ich gehe die Grabsteine lang. Mit meinen eigenen Augen hab ich den Tod meines besten Freundes gesehen und wie sein Herz kämpfte und aufgab. Meine Freundin Leni kam mit mir. Sie gibt mir Halt. Sie kannte Jan und Mia nur flüchtig. Ich wische eine Träne aus ihrem Gesicht. Mia und Jan wurden nebeneinander begraben. Als wir den Friedhof betraten, habe ich deren Eltern gesehen. Aufgelöst, aber stark. Ich nahm mir sie als Vorbild. Jan war wie ein Bruder. Dessen Tod schmerzhaft ist, aber das Leben geht weiter. Ich schließe meine Augen und versuche Jan zu vergessen.  In meinem Kopf rauschen all die schönen, traurigen , einfach alle Momente mit Jan an meinem inneren Augen vorbei. Wir kannten uns von klein auf. Wir hatten eine tiefe Freundschaft, auch wenn man denkt sowas ist nur bei Mädchen, bloß wir zeigen dass nicht so. Es war sein Ende, doch für mich ist es ein Anfang. Ein Neuanfang. Ein Leben ohne ihn. Als ich vor seinem Grab stand sackten meine Knie zusammen. Leni half mir wieder auf. Wir legten den Strauß Blumen aufs Grab.  Einen für Mia und einen für Jan. ich wandte diesen Platz  den Rücken zu. Mein Leben geht weiter mit Leni. Sie nahm meine Hand als wir durch die Friedhofspforte schreiten. Einen letzten Blick werfe ich zurück. Ruhe in Frieden, Jan! Und vergess mich nicht sandte  ich ihm in Gedanken in den Himmel.  Ich ließ meine Vergangenheit hier bei Jan und beginne jetzt ein Neues mit Leni.

Ich denke noch oft an ihn. Unseren Sohn haben wir nach ihm benannt. Ich fühle, dass er über uns wacht.  Und unsere Tochter heißt Mia. In unseren Herzen lebten , die beiden weiter.

Leni und Ich!

Die Schlägerclique

Wir sind Mitschuld an den Tod von Mia. Ihr Tod hat uns die Augen geöffnet.

Ich, Tom, war ein richtiges Arschloch. Ich hab ihre Haare abgeschnitten und sie sehr verletzt , aber das schlimmste ist das ich sie in den Tod getrieben hab. Ich kann nachts nicht mehr schlafen und sitze im Jugendknast. Starre die graue Wand an. Ich bereue alles. Am schlimmsten waren die Blicke ihrer Eltern vorm Gericht. Ich hab meine Strafe für mein Handeln bekommen und mir mit dem Mobbing und der körperlichen Gewalt an Mia , die Zukunft verbaut. Und das ist alles meine Schuld. und ich hab noch andere mitreingezogen.

Ich, Kira, bereue meine Tat und immer wenn ich  mit Vanessa zu den Sozialstunden gehe , wird sie mir vor Augen geführt. Ich war Schuld an einem Tod. Es frisst mich auf. Warum ich das gemacht!? Der Gruppenzwang und Tom. Ich will mich nicht rausreden, aber ich war so verliebt in Tom und ich wollte ihm zeigen wie cool ich bin und deswegen hab mit bei der Mobberei gegen Mia mitgemacht. Liebe macht blind und doof und verleitet einen zu Sachen, die man sonst nicht tuen würde. Manchmal gehe ich zur ihr Grab und lasse Blumen und Briefe da. Das ist das mindeste was ich tunen kann. In den Briefen stehen Entschuldigungen, Tagesabläufe und Geschichte. Ich fand sie eigentlich ganz nett , doch ich hab aus Liebe ein Fehler gemacht und Tom hat mich nur ausgenutzt , dass weiß ich jetzt . Leider zur spät.

Ich, Wiebke, schau auf meine Narben an den Armen, die ich mir nach Mias Tod zugefügt habe. Ich konnte mit dem Schmerz nicht umgegehen. Ich sitze in der Pyschatrie. Am schlimmsten sind hier die Gruppentherapie, denn ich hab die schlimmste, erbärmlichste und schrecklichste Geschichte, denn ich war Mitschuld an einen Tod. Ich hasse mich dafür. Die Anfangzeit der Therapie steckte in einer Gummizelle , weil ich total ausgeflippt bin. Ich wollte nur noch das Messer an meiner Haut spüren und den Schmerz. Vorzeitig werde ich nicht entlassen. Ich war so blöd und jetzt knall ich durch. Eine irre.

Ich, Vanessa, leiste meine Sozialstunden, obwohl ich das total unfair finde, was hab ich , denn schon schlimmes getan. JAJA , sie ist tot und kann ich das jetzt ändern. Nein! Tote bleiben tot. Manchmal besuche ich Wiebke in der Anstalt. Sie sieht schrecklich aus. Eingefallene Wangen, hervorstehende Knochen und unzählige Narben. Warum hat sie sich sowas angetan!? Sie hat doch auch keine Schuld, schließlich hat Mia sich selbst umgebracht und nicht wir sie. Die Neue Nadja scheint ein perfektes neues Opfer zu sein. hihi . Ich muss los.

Ich bin Philip und ein Mitläufer bei dem Mobbing, doch zugeschlagen hab ich nie und auch nicht die anderen nicht aufgehalten. Ich hab sogar weggeschaut. Hätte ich was getan würde sie vielleicht noch leben. Aber ich hatte Angst vor Tom. Seitdem er im Gefängnis ist, ist hier an der Schule Ruhe. Keiner der die anderen anstiftet oder verängstigt. Doch mich plagen die Schuldgefühle.

written by me

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Decisions - Folge 1

Habt ihr Angst im Dunkeln? Nein? Stellt euch folgendes vor. 

Ihr wacht langsam auf einem harten Stuhl auf. Durchzechte Partynacht. Das hofft ihr zumindest, bis ihr die Fessel bemerkt. Ihr könnt sie nicht sehen, im Raum brennt kein Licht, doch man kann förmlich spüren, wie das dicke Seil Schlieren an der rechten Hand einbrennt. Ihr versucht euch zu lösen, doch scheitert schon beim Anheben der Hand. Ihr seid komplett gefangen. Mitten im Dunkeln. Langsam gewöhnen sich deine Augen an das grauenhafte Schwarz, du kannst schräge Umrisse erkennen. Sitzt dir da ein Mensch gegenüber? 
Ja. Definitiv. Du kannst sein leichtes Röcheln hören, seine Atemzüge sind schwer. Er scheint nur hart Luft zu bekommen, aber du hörst dich wahrscheinlich kaum besser an. Das Klima im Raum ist wahnsinnig stickig, es stinkt ekelhaft nach Asbest und Kerosin. Der Duft kriecht dir in die Nase und setzt sich dort fest. Grandiose Mischung für einen stilvollen Freitod, oder? Du meinst, du spürst sogar langsam das Brennen in den Augen. Gute Frage, ob das von den Chemikalien oder dem Fakt kommt, dass du seit einer halben Minute unnachgiebig deinen Gegenüber anblickst. Du solltest ihn ansprechen. Vielleicht ist er genauso verloren in der Dunkelheit hier. Dein Mund formt die Buchstaben, doch die Wörter stecken dir wie ein Haar in der Kehle. Keine Chance. Kein Laut ist hier rauszukriegen. 
Schlagartig machst du die Augen doch lieber zu – Nicht, weil du erkannt hast, dass du tatsächlich seit einer knappen Minute nicht gezwinkert hast – Einfach weil das ekelhafte Kellergeschoss in gleißendes Licht getaucht wurde. Du siehst die buntesten Farben vor deinem inneren Augen. Obwohl die Lider geschlossen sind, blendet das Licht dich. Der erste Ton entfleucht aus deinem Rachen, ein leises „Aaaah“.

Als nach einigen Minuten du dich an die neuen Bedingungen gewöhnst, blickst du verdutzt rein. Nicht dein Gegenüber hatte so laut gekeucht, sondern der Mann im schwarzen Kittel neben dir. Seine Kapuze ist tief ins Gesicht gezogen, du kannst ihn nicht erkennen. Das, was dich in Schockzustand versetzt ist auch nicht die merkwürdige Gestalt, sondern eher die Waffe auf dem Tisch, der dich vom schwarzen, verwahrlost wirkenden Mann am anderen Tischende trennt. Eine Magnum. 44er Kaliber, wie sie Actionhelden immer tragen. Eine Kugel dieser Handpistole tötet dich nicht – Sie zerfetzt dich sogar in kleinste Einzelteile. 

„Meine Herren.“ Der Mann im Gewand hatte eine tiefe Stimme. Im Keller vernahm man kein Echo. „In dieser 44er Magnum sind zwei Kugeln. Egal was passiert, am Ende des Tages ist die Trommel leer. Einigen Sie sich, für wen ich diese verbrauchen muss. Wenn sie keine Einigung darüber finden, wer diesen Raum lebendig verlässt, sterben sie beide. Sie haben 5 Minuten.“ Das Licht geht aus. Als es wieder angeht, sind die beiden nur noch zu zweit im Raum. Naja, eher gesagt zu dritt, wenn man Colin mitzählte.

Colin war Markus Lanzenhofers Collie. Wegen des ähnlichen Klangs hatte Markus’ Schwester der zierlichen Tierheim-Dogge den Namen verliehen. Also, zwei Jahre, bevor sie qualvoll an ihrem Tumor im Kopf starb. Ihre letzten Worte waren nicht „Pass auf ihn auf“ oder „Schau, dass es Mama gut geht“ - Nein: „Bitte Gott, lass es einfach kurz und schmerzlos enden.“ 
Mama war es nicht gut gegangen. Zwei Wochen nach dem Kliniktod der Tochter fand Markus sie in der Küche – Sie hatte nicht einmal mehr gezappelt, schon über 25 Minuten hing sie beim Fund am Strick, meint der Gerichtsmediziner später.
Markus hat alles verloren – Außer Colin. Wenn jemand sich mal dazu erbarmt, seinen McCafé-Becher auf der Maximiliusstraße mit ein paar Cents zu füllen, werden die zuerst in Hundefutter investiert. Wenn er eines nicht verlieren will, dann das Letzte, was ihm wichtig auf der Welt ist. 
Als er seinen Gegenüber sah, stockte ihm der Atem.

Der Geruch der Straße fault langsam zu Tim von Stiegnitz herüber. Ob ihn seine Familie vermisste? Der zwölfjährige Mats und die dreijährige Laura. Die Kleine schüttelt ihn noch täglich wach und fragt ihn, ob die Windel denn auch halte, wenn sie jetzt los Pipi macht. Ihn nervt das immer noch nicht, weil Laura dabei dieses unsagbare Lächeln auf den Lippen hat, das nur Kleinkinder haben. Das gleiche hatte auch Mats neulich auf der Kart-Bahn, gemeinsam mit dem Leuchten in den Augen, als er das Gefährt mit den gelben Seitenstreifen erspähte. Seine Frau Ann hatte ihnen so glücklich von oben gewunken. Sie war die Beste. Er arbeitete hart, und sie akzeptierte, dass sie nur für seine Familie manchmal extra Stunden im Krankenhaus abarbeitete. Sie lebten in einer Reihenhausvilla. Den langen Nächten in den Clubs von Berlin waren längst schon Tupperparties und Babysprüche gewichen. Doch das machte Ann nichts aus. Sie war glücklichl, die Kinder waren gesund. Es konnte kaum besser laufen. Manchmal tat es Tim leid, dass er die kolumbianische Putzfrau María schon in sämtlich Räumen der Villa so hart gefickt hatte, dass sie mittlerweile circa 60 Stellungen durchgemacht hatten, um nicht in einem Raum den gleichen Sex zu haben. Nicht zu viel Monotonie, das bringt die Würze. 

„Versprich mir eins, wenn der Irre den Abzug drückt.“ Mit diesem Satz brach Markus das Schweigen.
„Was?“
„Versprich mir, du holst Colin hier mit raus.“
„Du würdest dich opfern?“
Er blickte runter auf den Hund. „Für ihn? Ohne zu zögern.“
Tim blickte hart, bevor er mit einem Lächeln verkündete, sie hätten ihre Wahl getroffen.
Das gleiche kalte Grinsen hatte er, als er Markus damals den Todeszeitpunkt seiner Mutter in der Gerichtsmedizin nannte. 

……

Obwohl, ist die Entscheidung so klar? Ich glaube, in einer Demokratie sollte das Volk entscheiden.

WER STIRBT? IHR ENTSCHEIDET! Das Ganze ist ein Social Media Experiment. 

Liket bei diesem Beitrag auf meiner Facebook-Seite denjenigen, der überleben soll. Diese Geschichte wird ein Ende hier finden. Ihr entscheidet mit welchem Protagonisten. 

ACHTUNG! Erst bei 100 Teilnehmern (Likern) wird die Geschichte zu Ende erzählt. Unter der zu erreichenden Zahl steht die Geschichte hier weiter offen. Gerne teilen, umso schneller bekommt ihr das Ende der Geschichte. Die Dinge sind vielleicht nicht so klar, wie ihr denkt. Entscheidet weise. Wir lesen uns.

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Kurzes Lebenszeichen

Ich hab jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr selbst gepostet. Zwar habe ich tausend Ideen, aber die Lust fehlt.
Die letzten Zeiten waren anstrengend.
Trotzdem habe ich ein neues NaNoWriMo Projekt fast beendet (mit über 70.000 Wörter - aber das Ende fehlt).
Ich muss leider auf später vertrösten.

Gruß SackingBob

PS: Danke, dass ihr mir noch Texte schickt. Aber vergesst nicht einen Link zu euren Seiten drunter zu stellen!

HUNTED - Verfolgt

Kapitel 1

Ich bin frei. Ich handle als freier Mensch. Doch irgendwas ist anders heute. Gestern war es auch schon so. Eigentlich ist es seit einer gefühlten Ewigkeit so. Ich wollte doch nur meine Twitter-Nachrichten checken. Wieso ist es soweit gekommen?
Wieso ist die wichtigste Frage im Leben eines jeden Menschen. Das ist auch das, was sich jede Person fragt, wenn man sich mal wieder selbst bemitleidet. Wieso ich? Wieso nicht die Anderen? Wieso bestraft mich Gott? Wieso sind meine Lieblingskekse im Tante-Emma-Laden um die Ecke schon wieder ausverkauft?

Egal ob es die lapidaren Fragen des Lebens sind oder die Suche nach Antworten nach dem Lebenssinn, ohne das Wort „Wieso“ kommt man nicht aus. Ich nenne dieses Phänomen die Heulerei-Frage. Einfach, weil dieses Wort zwar eine riesige Macht hat, jedoch meistens nur zum Teilen der oberflächlichsten Probleme dient. Einfach nur sein Herz ausschütten ist meist mit der Frage „Wieso?“ verbunden und fällt wahrscheinlich deshalb an jedem zweiten Mädchenabend, egal ob auf der Pyjamaparty der 14-jährigen Natalie oder auf dem Saufgelage der ab morgen verheirateten Mandy.

Und so frage auch ich mich in diesem Moment, wieso ich mir ausgerechnet diesen Ort ausgesucht habe, um auf die Planke zu steigen. Denn direkt neben mir fühle ich mich beobachtet von dem Warnschild, auf dem steht „Es gibt Hoffnung! Ruf an. Ein Sprung von dieser Brücke ist fatal und tragisch.“ Na danke, San Francisco. Hättet ihr mich nicht in den letzten 2 Monaten mehrere Male an den Rand des Todes gebracht, würde diese hüllenlose Warnung vielleicht auch etwas anderes in mir hervorrufen als bittere Leere.

Traurig blicke ich hinunter auf das Gewässer unter der Golden Gate Bridge. Und schon wieder stelle ich mir die Frage, wieso ich mich nie informiert habe, wie dieses Gewässer unter der Brücke eigentlich heißt. Ich bin Amerikaner, Patriot und habe schon mehr als einmal jede Sehenswürdigkeit dieses Landes betrachtet. Und dennoch – Geographie verbinde ich weiterhin mit dem „F“ von meinen Schultests.

Ich liebe dieses Land, obwohl es mich hasst.

Und so fand ich es nur passend, dass ich meinen „Verrat“ an einem der bedeutendsten Wahrzeichen beende.

Die 724 Polizisten, wie später in den Medien stand, obwohl es wahrscheinlich die doppelte Menge war, werden es mir danken, dass sie es nicht selbst übernehmen müssen. Keine Schüsse, keine unnötigen Verletzten.

Natürlich höre ich die Rufe der Schaulustigen.

„Verräter!“

„Du kriegst deinen fairen Prozess“

„Tu es nicht! Das Leben hat doch auch ohne Amerika einen Sinn“

„Nein, du hast unserem Land einen riesigen Dienst erwiesen!

„Spring endlich du Hurensohn!“

Alles Bullshit. Ich habe meine Entscheidung längst getroffen. Aber zuerst noch etwas Denkwürdiges, damit es bei meinen geliebten Mit-Amerikanern vielleicht auch einmal „Klick!“ macht.

„Ich tu es sowieso! Doch zuerst habe ich noch ein paar letzte Worte.“ Als ich dies den Leuten zurufe, höre ich keine Reaktion. Ich hatte mit Jubelstürmen, mit Heulkrämpfen oder Hysterien bei der Polizei gerechnet, doch damit nicht. Die Leute wurden totenstill.

Die größte Brücke der Welt mit 6 Übergängen für Menschen, Fahrradfahrer, Fußgänger, ach, wahrscheinlich selbst für Ratten, war sonst überschattet von Autohupen und Baulärm. Es hatte etwas Gespenstisches, hier komplett lautlos zu stehen und darauf zu warten, dass jemand das Schweigen bricht.

„Wieso sollten wir die gewähren?“

Ich knirschte bitter mit den Zähnen. Eine Heulerei-Frage hatte ich nun zu allerletzt erwartet. Sie kam von dem Mann, der mich vorher noch als Verräter beschimpfte.

„Hatte ein paar letzte Worte nicht sogar Hitler übrig?“

Ich schwöre bis heute, trotz Totenstille, obwohl die Leute gleich einen Toten sehen würde, hörte ich Lachen. Menschen können ekelhafte Wesen sein.

„Was wollen Sie uns sagen?“, schallt es aus dem Megaphon des Chief Officer. Er wollte diese Farce wohl nun auch zuende bringen; nicht zuletzt weil sie sowieso schon monatelang zu dauern schien.

Ich holte tief Luft und krallte meine Hand um die Brüstung, um ein wenig Halt in den luftigen 60 Metern Höhe zu bekommen.

„Mir ist es scheißegal, was ihr von mir haltet. George Washington hat auch Landesverrat begangen. Heute ist seine Fresse auf nem verdammten Schein. Ich will das nicht, aber ich hoffe, ihr versteht irgendwann einmal was ich mit der ganzen Aktion bezwecken wollte.“

Betrübt blickte ich ein letztes Mal zu Boden, bevor ich mich umdrehte.

„Achja, da wär noch was: Montiert das dumme Schild ab, das wirkt mehr als inkonsequent.“

Das Letzte, was ich sah, war das namenlose Gewässer, was immer schneller auf mich zuraste. 

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Theatre of Dreams

Dunkel, schlicht, komplett dekorationslos. Das Einzige, was neben einem Tisch und 2 Stühlen den Kellerraum füllte, war endloses Nichts. Es gab hier praktisch nichts, was die Aufmerksamkeit vom Mobiliar in der Mitte des Raums weg richten konnte. Wenn sich Selleck hier mit seinen Gefangenen unterhielt, konnten sie sich lediglich auf ihn konzentrieren. Er mochte dieses Gefühl. Es gab ihm die Macht, die er stets über die Möchtegern-Robin-Hoods brauchte, die hier regelmäßig ein uns aus gingen. Er konnte ihre Angst in den Augen sehen und sie konnten dem geschärften, stahlharten Blick eines alten Hasen nicht ausweichen. Heute war es aber irgendwie anders. Selleck vermochte nichts in den Augen des 17-jährigen zu erspähen, was ansatzweise an Angst erinnerte. Im Gegenteil: Er erschauderte beim ersten Blickkontakt eher.

Plötzlich wurde die ewige Stille im Raum erschlagen. Erst nur ein sehr dumpfes, metallisches Klicken, dann eine ganze Schallwelle, die sich direkt über dem Kelleraum ergoss. Ein lautes Raunen, gefolgt von einigen Pfiffen, erschütterten die stillen Wände. Nur zwei schienen davon gänzlich unbeeindruckt.

„Rooney. 10 Pfund, dass er ihn versemmelt hat.“

Der Junge blickte weiterhin nur stur auf ihn herab.

„Bist du denn Fußballfan, Kleiner?“

Keine Reaktion. Selleck ließ den Rücken hängen. Vielleicht hatte er ein wenig weiter auszuholen.

„Ich glaube ja nicht. Wenn du einer wärst, hättest du das nicht getan. Weißt du, man kann über diese besoffenen Idioten da draußen behaupten was man will. Doch im Endeffekt sind all diese Hooligans nur Boxer. Sie sind stark, solange sie in ihrem Ring stehen, doch ruhige, normale Menschen im echten Leben. Weg vom Lebensinhalt, hin zum Leben bestreiten werden die auch wieder gewöhnlich. Teilzeitrebellen, ein Hauch von Anarchismus schlummert doch in jedem. Hooligans lassen diese Idiotie nur verstärkter hinaus, und sind in gewisser Weise fanatisch auf das nonreale Leben hier, mitten im Stadion. Natürlich würde man lieber den ganzen Tag die Idole bewundern, anstatt dreckige Post von noch viel dreckigeren Leuten durch die dreckigste Innenstadt von Manchester zu kutschieren. Natürlich schürt man da Hass gegen alles, was die Idylle innerhalb seines Rings stören möchte. Doch diese Leute…Sie sind Rudeltiere. Alphawolf. Findet man ihn, ist die Gruppe wieder raus aus ihren Idealismus und zurück im ordinären Industriestadtleben. Natürlich trifft man sie auch manchmal vereinzelt an, betrunken. Doch keinem von ihnen fehlt dieses eine.“

Aus dem Nichts hämmerte Selleck gewaltsam auf den Tisch, sodass die Beine darunter erzitterten. Die Faust schlug unweit des Jugendlichen ein. Später sollte seine Faust unangenehm rot werden. So hart hatte er noch nie ein Zeichen gesetzt.

„RESPEKT vor der Kultur, mein Kleiner“, sprach Selleck bedenkenlos weiter. Sein kleines Plädoyer für den Fußballabschaum dort über ihm sollte ihm einen Einblick in das Innenleben des Teenagers machen, doch vergebens. Selbst beim brutalen Handkantenschlag zuckte er nicht einmal.

Hartnäckiger kleiner Bursche. Al-Hamm Irigi, 11.09.1984. Arabische Herkunft, wo genau, kann man bei den Schriftzeichen auf dem Pass nur erahnen. Ein Körperbau, unscheinbarer wie er nicht sein könnte. Schmal, kaum Bartwuchs, ein wenig unter dem Durchschnitts-BMI. Er hatte weder eine Telefonnummer, noch einen Aufenthaltsort vermerkt in der Brieftasche. Nur 6 Pennies Rückgeld.
„4,94 Pfund hast du dir das Beschmutzen unserer Kultur mit deiner Dreckssprache also kosten lassen.“ Er stellte die Spraydose mit schwarzer Farbe auf den Tisch.

Die nächste Welle erschütterte den Raum. Die Füße über dem Kellergeschoss trampelten laut über den Rängen, einige hüpften sogar in ständigen Abschnitten. Dieses Mal war es kein Raunen, sondern pure Freude. Manchester lag in Führung. Welches Manchester, konnte man nur erahnen. Beim Heimderby sollte sich Selleck eigentlich mit wichtigeren Hooligans als diesem Jungen herumschlagen. Nachdem nun die Führung erzielt wurde schien es nicht mehr lange zu dauern, bis der erste Fan des Gegnerteams eskalierte. Derbyzeit ist wie Afghanistan an seinen schlimmsten Tagen.

„Was wäre, wenn es eure Kultur nicht mehr geben würde?“ Es war das Erste, was Irigi von sich gab.

„Wie? Was meinst du?“ Endlich hatte er ihn geknackt. Er hatte keine solch raue Stimme aus einem so schlacksigen, kleinem Jungen erwartet.

„Ihr seid es gewohnt, wenn ihr ins Stadion geht. Dieser Lärm, die Kulisse, das Bier, dessen Alkoholgehalt sich langsam über die Venen auf den Pegel auswirkt und damit auf die Euphorie, wann es endlich geschieht. Endlich gelangt der aus indischen Kinderhänden genähte, ohne Fehler verarbeitete Fußball in die maschinell in Form gebrachten Metallriemen. Ein Ball, der von einem überbezahlten Schimpansen getreten wird, der ohne den Sport zu einer Karriere als Putzfrau verdonnert wäre. Doch Allah sei Dank gibt es den freundlichen Ölmonarch, der ihm einen privilegierten Lebensstandard ermöglicht, nur damit er es dem Pöbel auf den Tribünen zur Belustigung dankt. Ihr spürt die Lethargie, wenn es doch die Tradition ist, die über das Geld siegt.“

Selleck lächelte. „Ich sehe schon, du bist also City-Fan?“ Er interessierte sich nicht für Fußball, aber das ManC jüngst besser als der Traditionsverein United war, seit ein Scheich das Team mit einem großen Budget verstärkte, war auch für ihn kein Geheimnis. „Ist das da draußen, dieses Gekritzel, was du am Stadion hinterlassen hast…Heißt das Tradition oder sowas?“

Irigi blickt ihn ernst an. Er verzog keine Miene. „Ich interessiere mich nicht für ihnen jämmerlichen Fußball. Ich spüre die gleiche Euphorie wie jeder minderbemittelte Fan dort oben. Ich spüre die Lethargie, wenn eine Bombe doch meine Schule trifft. .هواء!

Selleck musterte ihn ernst. Ihn fröstelte es leicht.

Der Junge begann zu schreien: „Der Schriftzug steht für Luft. Wollen sie sehen, wie es da oben aussieht?!“ Er zog einen roten Schalter aus der Jacke hervor und streckte ihn gen Himmel.

Selleck reagierte sofort und zog seine Waffe. Die M9 hatte einen extra angebrachten Laserpointer in grün, da rot in einer Pyrowolke nicht erkennbar war. Der grüne Punkt leuchtete auf seiner Stirn.

„Probieren sie gar nicht erst zu schießen, ich bin sowieso schneller.“
„Wieso hier Junge?“

„Theater der Träume. مسرح الأحل. Theatre of Dreams nennen sie diesen Ort. Die Leute wissen gar nicht wie ihnen geschieht, Träume platzen schneller als eine Naht am Fußball. Vielleicht wird es Zeit, endlich zu zeigen, WIE SCHNELL das gehen kann? Was meinen Sie?“

„Wenn du abdrückst, stirbst du Kleiner, sei dir dessen bloß bewusst.“

„Denk nicht lange nach, wir alle beißen irgendwann ins Gras, glaub mir man, ich versteh das.“
Der Junge beginnt auf arabisch ein Gebet herunter zu stammeln. Selleck richtet die Waffe zwischen die Augen. Der Schweiß läuft ihm langsam ins Auge, die zitternden Hände sind immer schwerer richtig auszurichten. Er versucht, den Jungen verzweifelt davon abzubringen. Er denkt an seinen Sohn, gerade neun geworden. Er will ihn noch aufwachsen sehen.

„Letzte Warnung Irigi! Schalter weg!“

„نحن لا نرى بعضنا البعض مرة أخرى!“

Das Letzte, was Selleck sah, war das die Blutfontäne, die direkt an die kahle Wand hinter dem Jungen spritzte. Und natürlich den Schalter, der mit der Vorderseite auf den harten Beton schlug. Natürlich löst er aus. Alles zu spät. Träume geplatzt, und das ausgerechnet im Theater.

Als Selleck zwei Stunden später am 11. September 2001 aufwachte, interessierte sich niemand mehr für den 2:1 Siegtreffer von Manchester United in der 89. Minute. Es war kein spannendes Spiel, die Ausschreitungen nebenher reduzierten sich auf zwei Schlägereien auf den Rängen. Doch auf dem Internethandy, dass gerade über einen Stream die heutigen Nachrichten durchliefen lies, gab es Wichtigeres, was sich Ju-Kan Bi Irigi anhören konnte, als er schwarzgefärbte Luft von der Stadionmauer wischte. 

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Ich hab nie gesagt, an welchem Wochenende es gepostet wird. Logikfehler, rassisischte Anschuldigungen und Aufregungen über Diskriminierung dienen nur zur künstlichen Übertreibung und könnt ihr deshalb behalten.

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Darüber sprechen unter dem Hashtag #TheatreofDreams - 

Spaß haben. Genießt die WM. 

Tac. 

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Die Jägerin

Sie ist eine Jägerin. Ihre Aufgabe ist es zu jagen. Aber was jagt sie eigentlich? Ist ihre Beute ein Tier oder jagt sie Menschen? Spielt das überhaupt eine Rolle?

Menschen sind nicht viel mehr als Tiere, eigentlich sind sie auch Tiere. Am deutlichsten wird dies bei der Jagd. Sie haben den selben Blick, den gleichen Ausdruck im Gesicht, wenn sie in die Enge getrieben werden und wissen, dass es bald vorbei sein wird, dass es schmerzhaft werden wird. Abgehetzt liegen sie dann auf dem Boden und wollen nicht loslassen. Der Überlebenswille ist größer als alles andere, größer als die Angst. Bis zum Schluss, bis zum letzten Atemzug klammern sie sich an ihr Leben.

Aber wenn sie eins als Jägerin gelernt hat, dann ist es die Tatsache, dass Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit diesen Überlebenswillen brechen können. Nur den Hauch einer Chance auf einen Fluchtweg und sie werden ihn nutzen. Locke sie in eine Auswegslose Falle, wo die Flucht zum greifen nah ist, aber dennoch unerreichbar ist, sie werden verzweifeln. Ab diesen Punkt, ab dieser Verzweiflung verlässt sie der Überlebensdrang und sie werden zu einer leichten Beute.

Aber wenn sie auch was in all den Jahren der Jagd gelernt hat, dann ist das eins: Unterschätze niemals die Beute! Denn sonst kann es passieren, dass aus Jägerin die Gejagte wird….

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Der Füller

Jahrelang hatte man ihn nicht benutzt. Er lag ganz unten im Federmäppchen, um ihn herum schwärze. Nur ab und zu, wenn sie einen Stift brauchte, das Mäppchen öffnete und einen der tollen Filzstifte herausholte, drang etwas Licht zu ihm durch.

Doch eines Tages nahm sie nicht einen der oberen Stifte, sondern wühlte etwas herum, holte ihn, den Füller, heraus. Gleich am ersten Tag hatte er einen kleinen Riss in seiner sonst so makellosen Hülle bekommen. Dennoch hatte sie ihn behalten, aber leider über Jahre vergessen. Aber heute würde sich dies ändern, das wusste der Füller. Sie schraubte ihn auf, gab ihm neue Tinte, gab ihm sein Blut, das er zum Leben brauchte. Sie setzte ihn auf das feine Papier, oh er liebte dünnes Papier, es fühlte sich so schön weich an seiner Feder an. Doch in seinem Inneren wurde seine Tinte von etwas blockiert- ach du Schreck, war er etwa krank? Oder gar zu alt, um zu schreiben?

Sie schüttelte ihn ein wenig, das mochte er gar nicht. So ein hin und her Geschaukel, da wird einem ja ganz schlecht! Er spuckte etwas Tinte von sich, mitten auf das schöne Papier. Sie fluchte laut, legte ihn beiseite und holte ein neues Blatt. Wieder setzte sie ihn an, die Tinte kam aus seiner Feder, wie es sich für einen Füller gehörte. Sie drückte etwas mehr auf, das tat ihm weh, mehr Tinte floss. Sie fand es gut, drückte noch ein wenig mehr auf, das bereitete ihm Federschmerzen. Er zerbrach,Tinte spritzte überall hin, sie fluchte erneut, er landete im Mülleimer. Es war sein Ende, die Füllerkarriere hatte er nie richtig leben können.

 

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Das Fahrrad

Er zog das Fahrrad neben sich her, doch beachtete es kaum. Der Fahrradständer schleifte über den Boden, die Pedalen schlugen ihm immer wieder von hinten gegen die Waden. Er ging schnell und wirkte etwas unbeholfen dabei. Er zitterte leicht, doch das störte ihn nicht - er merkte es nicht.

Der Fahrradständer hinterließ kleine weiße Striche auf dem Asphalt. Kratzer wie Kreide. Wie früher, als man - weil man keine Kreide hatte - mit Steinen auf der Straße malte. Es mussten die richtigen Steine sein, manche malten besser, manche nur ganz dünn und mache gar nicht.

Die Treppe runter zur U-Bahn trug er das Fahrrad. Am Lenker hing ein Ersatzrad. Das brauchte er nicht mehr und er wollte ganz sicher gehen.

Sein kleiner Bruder hatte ihm das Fahrrad geschenkt, damals. Doch daran dachte er nicht, er dachte nur noch sehr selten an seinen kleinen Bruder und noch seltener an damals. Er wollte sich nicht erinnern, er wollte keine Gründe finden, nicht den Punkt, an dem alles umschlug. An dem die Party zum Kater wurde und Freunde zu Geschichten. Geschichten von Treue, erzählt mit einer Stimme voller Vorsicht und Mißtrauen.

Die Menschen schauten ihn an, alle. Er sah niemanden an. Sein Blick war starr, etwas glasig. Er schaute selten nach außen, meist nach innen, schon lange fast immer nach innen, auf seine Gedanken.

In ihnen hatte er das Fahrrad schon getauscht, sich diesmal nicht wieder abziehen lassen - scheiße. Nein, er hatte einen guten Deal gemacht. Er brauchte jetzt einen guten Deal.

Jetzt - gleich - aussteigen.

Fast hätte er die Haltestelle verpasst. Er zerrte das Fahrrad rücksichtslos aus der Bahn. Noch ein paar Stufen, oder die Rolltreppe. Er lächelte - nur für sich.

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wo die nächte zu tagen werden

ich stand an der bar und wartete. die menschenmenge störte mich nicht. dann tauchte er auf. wie ein berg, auf den man mit dem auto zurast. er sah mich an und lächelte. ich sah weg. trank mein glas aus. ging hin. nahm seine hand und wusste es. wir verließen die bar. wir verließen die strassen. die stadt. den raum und die zeit.
als ich erwachte blitzte sein körper neben mir auf. ich ließ die augen fest verschlossen. und fühlte die wärme. ihn. und das schlagen meines herzens. ich kannte ihn nicht. und ich wusste, dass ich es auch nicht wollte. als die nacht zum tag wurde, stand ich auf. zog mich an. irrte durch seine wohnung. verfing mich in den bildern an der wand. suchte meine jacke. zog sie an. schlug den kragen hoch. schloss die türe fest hinter mir zu. verließ den raum. die zeit. kam zurück in die stadt. in die strassen. und in die bar. dort stand ich und wartete.

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bis es wieder dunkel wurde

atemlos lag ich im bett. ich habe ihn gefunden. er war gar nicht weit weg. er hatte angst wie ich. und das war gut. so teilten wir die angst. das bett. und den morgen. zu mehr waren wir nicht in der lage. als der himmel blau wurde versteckten wir uns. wir wollten im dunklen warten, bis der tag vorüberging. irgendwann wischte er mir die reste des lippenstiftes weg und ich die reste seines kajals. so lagen wir da. bis es wieder dunkel wurde.

endlosschleifen

und während mein mann gerade mit seiner lispelnden sekretärin schlief, verbrachte ich die nacht mit dem barpianisten. nein, mit ihm schlief ich nicht. ich rannte mit ihm durch die in regennassen strassen. und wir betranken uns in namenlosen bars. was sollten wir auch anderes tun, als uns die zeit zu vertreiben? viel wusste ich nicht. er war jünger als ich. er arbeitete nachts. ich tagsüber. er hatte eine kleine freundin. sie hing ihm zum halse raus. er rauchte nicht. ich schon. er trank gin. ich jetzt auch. ich hatte keine lust mehr nach hause zu gehen, denn dort war das leben trostloser als auf der strasse. draussen hatte ich das gefühl zu leben. als es hell wurde saßen wir am pier. die möwen zogen über unseren köpfen schleifen. endlosschleifen. der kaffee wärmte meine hände. mich verließ die angst vor dem alleinsein. was denkst du, wollte er wissen. ich weiss es nicht, sagte ich. und es war tatsächlich so. mein leben schien immer verplant. durchdacht. gehetzt. und unfrei durch mich selbst zu sein. jetzt saß ich einfach nur da. das graue meer vor mir. und einen menschen, der sich für mich interessierte neben mir. ich interessierte mich nicht für ihn. aber das wusste er.  dieses kopfkino würde irgendwann mal enden. dann wäre ich komplett frei. ich zog den kragen meines mantels weiter nach oben und sah ihn an. er lächelte. dann kraulte er mein kaltes ohr und sah aufs meer hinaus.

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